25 Haziran 2025 MagazinStar
„In der Türkei durfte ich meinen Beruf als Kunstlehrer*in nicht ausüben, weil ich trans bin – in den Niederlanden fühlte ich mich zum ersten Mal wie ein Mensch.“
Esef S.
Eine trans Person, die in der Türkei als Kunstlehrer*in arbeitete, wurde nach ihrem Coming-out systematisch ausgegrenzt, bedroht und angegriffen. Jetzt lebt sie in den Niederlanden in Sicherheit – und erzählt uns ihre Geschichte.
„Ich wurde wie der Teufel dargestellt“
„Ich war Kunstlehrer*in in der Türkei. Doch nachdem ich mich öffentlich als trans Person geoutet habe, wurde ich aus meinem Beruf gedrängt. Ich wurde entlassen, ausgegrenzt, wie ein Teufel dargestellt. Meine Familie und Verwandten haben mich verstoßen. In meiner alten Nachbarschaft wurde ich angegriffen und mit dem Tod bedroht.“

Esef S.
„Zur Polizei zu gehen bedeutet nichts – im Gegenteil“
„Als LGBTQ+-Person zur Polizei zu gehen bringt in der Türkei nichts. Statt geschützt zu werden, wird man verspottet, beschuldigt, wie eine Täterin behandelt. Die Täter bleiben meist straflos. Es gibt kein Gesetz, das uns schützt. Viele Freund*innen von mir wurden entweder ermordet oder nahmen sich das Leben. Wäre ich nicht geflohen, wäre mir dasselbe passiert.“

Esef S.
Ein neues Leben in den Niederlanden
„Ich habe einfach nur erzählt – und sie haben mir geglaubt“
„Ich bin in die Niederlande geflüchtet und habe Asyl beantragt. Die niederländischen Behörden waren freundlich, warmherzig und sehr menschlich. Ich musste keine Beweise oder Dokumente vorlegen – ich habe nur offen erzählt, was ich erlebt habe. Mehr war nicht nötig.“
„Die IND schätzt Referenzschreiben von LGBTQ+ Organisationen“
„Eine niederländische Queer-Organisation hat ein Empfehlungsschreiben für mich geschrieben. Das Asylamt (IND) hat es sehr ernst genommen und mit Respekt behandelt. Auch sagten sie mir im Gespräch: ‚Wir haben internationale Menschenrechtsberichte über die Türkei – du brauchst dir keine Sorgen zu machen.‘ Zwei Monate nach meinem Antrag wurde mein Asyl bereits anerkannt.“
„Wäre ich in Deutschland gelandet, wäre ich vielleicht tot“
„Viele LGBTQ+ Asylsuchende aus der Türkei schreiben mir auf Social Media. Sie erzählen, dass das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) in Deutschland selbst ärztliche Berichte oder Empfehlungsschreiben von LGBTQ+ Vereinen ignoriert. Das ist schockierend. In Deutschland hätte ich womöglich den Mut verloren. Die Erzählungen sind schrecklich.“
„Deutschland widerspricht sich selbst“
„Deutschland bezeichnet sich als LGBTQ+-freundlich – und lehnt dennoch viele queere Geflüchtete aus der Türkei ab. Das ist ein Widerspruch. Diese Menschen sind besonders schutzbedürftig. Ablehnungen und Abschiebungsversuche sind inhuman. Die Niederlande hingegen bieten uns Schutz, Sicherheit und ein Leben in Würde. Ich bin den Niederlanden unendlich dankbar.“


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