Ich bin froh, nicht nach Deutschland geflüchtet zu sein – in den Niederlanden wurde ich als Mensch behandelt

17 Temmuz 2025 MagazinStar

Ich bin froh, nicht nach Deutschland geflüchtet zu sein – in den Niederlanden wurde ich als Mensch behandelt

Ein Erfahrungsbericht einer türkischen LGBTIQ+-Geflüchteten, die in den Niederlanden Schutz fand

In der Türkei waren gesellschaftlicher Druck, das völlige Fehlen von Schutzgesetzen für LGBTIQ+-Personen, die immer autoritärer werdende Regierung sowie die zunehmende Hetze und das gezielte Anstacheln zu Hass gegen queere Menschen Teil meines Alltags. Ich wurde aufgrund meiner sexuellen Identität aus meinem Job entlassen und daran gehindert, meinen Beruf weiter auszuüben. Auf der Straße wurde ich Opfer eines Hassangriffs – das war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.

Als ich zur Polizei ging, wurde ich nicht ernst genommen. Stattdessen begegnete man mir mit Spott und Hohn. Es war klar: In der Türkei würde ich nie sicher sein. Jederzeit hätte ich erneut Opfer homophober Gewalt werden, verletzt oder gar getötet werden können. Deshalb entschloss ich mich, mein Land zu verlassen und nach den Niederlanden zu fliehen.

Semih Z.

In den Niederlanden fühlte ich mich zum ersten Mal sicher

Nur sechs Monate nach meiner Ankunft wurde mir hier Asyl gewährt. Die Einwanderungsbeamten waren freundlich, empathisch und respektvoll. Im Interview wurde ich lediglich gebeten, meine persönliche Geschichte zu erzählen – das war alles. Niemand forderte mich auf, „Beweise“ zu liefern oder mein Leid „zu belegen“, wie es offenbar in Deutschland üblich ist.

Ich lese und höre viel über das BAMF in Deutschland – und bin schockiert

Über soziale Medien und das Internet erfahre ich immer wieder, wie schwer es türkische LGBTIQ+-Geflüchtete in Deutschland haben. Die Berichte sind erschreckend und wirken grausam und herzlos. Besonders das BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) soll gegenüber queeren Geflüchteten aus der Türkei systematisch diskriminierend handeln. Immer wieder sollen Gründe gesucht werden, um keine Aufenthaltserlaubnis zu erteilen – mit standardisierten Ablehnungsbescheiden, in denen offenbar nur Textbausteine verwendet werden.

Viele Betroffene berichten, dass ihre psychische Gesundheit darunter stark leidet. Man stelle sich vor: Man flieht aus der Türkei, um endlich in Frieden und Sicherheit leben zu können – und wird dann in Deutschland vom BAMF wie ein Problem behandelt, nicht wie ein Mensch.

Die Behörden in den Niederlanden zeigten Verständnis und Menschlichkeit

Der Beamte, der mein Interview führte, sagte mir: „Wir kennen die Berichte der türkischen Menschenrechtsorganisationen, wir sehen die Aussagen der Regierung, die systematische Hetze – das reicht als Beleg. Was soll man noch beweisen müssen?“ Genau sechs Monate nach meinem Asylantrag wurde dieser vollständig anerkannt. Ich bin überglücklich.

Ich danke den Niederlanden von Herzen. Hier kann ich endlich in Ruhe, Sicherheit und Würde leben.

Ich bin sehr froh, dass ich nicht in Deutschland Asyl beantragt habe – denn dort scheint ein kaltes, unmenschliches System wie das BAMF gezielt gegen LGBTIQ+-Geflüchtete aus der Türkei vorzugehen. Das ist weder gerecht noch wohlwollend. Es geht offenbar nur darum, Gründe zu finden, um abzuschieben.

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